Ki- und Karate-Lehrgang (nicht nur) für Jukuren

05.12.2015 18:00

(nm) Nicht nur Jukuren folgten der Einladung des KVSH-Breitensportreferents Rolf Bernert. Gut 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher Graduierung reisten am 5.12.2015 gespannt zum Ki- und Karate-Lehrgang in Bargteheide an.  Als Referentin hatte Rolf Bernert die Taijiquan- und Qigong Lehrerin Dr. Natalie Mandel, auch 5. Dan und Karate A-Trainerin, gewinnen können. Nach  einer theoretischen Einleitung, in der Natalie die Idee des Qi(chin.)-/ Ki (jap.)-Flusses im Körper mit Hilfe einer Meridian-Puppe und eines Modells der Wirbelsäule erklärte, ging es in die Praxis.

Wer mit den Qi/Ki arbeiten will, der muss es zuerst wahrnehmen. Dazu begann die erste Einheit mit dem Qi wecken, Schüttel- und Klopfübungen aus dem Qigong. Damit das Qi dann im Körper frei fließen kann, ist es wichtig, Verspannung und feste Muskulatur zu lösen. Das wurde in drei Stufen angegangen: Zuerst gab es Übungen für den gesamten Schultergürtel. Plastikschalen dienten als Teetassen-Imitate. Mit diesen wurden Übungen aus dem Handtellerqigong (Panzi-Gong) durchgeführt, sehr zur Belustigung der Teilnehmer. Die vermeintlichen Teetassen wurden in großen Kreisen über den Kopf geführt und durften dabei nicht herunterfallen. Der Nutzen der Übungen war schnell spürbar: Verspannungen im Schultergürtel wurden aufgespürt. Durch die verwringenden Bewegungen    wurden sie gelöst. Viel besser war dann das Energiefeld zwischen den eigenen Handflächen spürbar, welches sich durch das Formen eines imaginären Qi-Balles herstellen lässt.

Dann ging es auf die zweite Ebene: den Bereich des Lebenstores, auf chinesisch ‚Mingmen‘. Der Punkt befindet sich im unteren Rücken zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel und ist gleichzeitig der hintere Teil des unteren Energiezentrums (jap. Tanden, chin. Dantien). Daher ist der Bereich des unteren Rückens zusammen mit dem gesamten Bereich des Beckens (der Beckenboden ‚trägt‘ das Dantien)  ganz wichtig, um die Kraft aus dem Boden in die Karate-Technik zu übertragen. Ist der Lebenstorbereich ‚zu‘, also verspannt und fest  oder durch einen besonders tiefen Zenkutsu-Dachi anatomisch durch das entstehende Hohlkreuz verschlossen, reißt die Verbindung zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ ab. Eine effiziente Technik, die aus der eigenen Mitte kommt, kann so nicht mehr ausgeführt werden. 

Durch Partnerübungen, die auch halfen, den unteren Rücken zu entspannen, wurde das für die Teilnehmenden deutlich.

Die Verwringungen im Körper, die durch die spiralförmige Anordnung der Muskel, Sehnen und Bänder  vorgegeben sind, können wir im Karate mit unseren Ständen bewusst verwenden. Durch das Aufbauen der Beinspirale und das anschließende ‚In-den-Boden-Lösen‘ und verwurzeln, erspürten die Übenden, wie sie den Kontakt zum Boden für sich nutzen können.

In der Karate-Einheit ging es dann um das Umsetzen des neu Erlernten in einigen ausgewählten Karate-Techniken. Erstaunt stellten die – zum Teil gestandenen Karateka – fest, wieviel stärker ein Tsuki wird, wenn sie ihn locker und verbunden mit dem Erdboden ausführten. Nachdem die jeweiligen Übungspartner dies – natürlich mit kontrolliertem – Kontakt erspüren durften, wurden Medizinbälle im Geräteraum aufgetrieben, die man in der Folge mit noch mehr Elan bearbeitete.

Ein großes Dankeschön geht an den ausrichtenden Verein, das Dojo Shinto Bargteheide mit Trainer Paul Kägi und dem Vorsitzenden Kai Gurkowski. Für die Pausen war ein tolles Buffet aufgebaut worden. Der neue Blick auf die alten Karate-Techniken wird nun sicher in Zukunft die eine oder andere Trainingseinheit bereichern und eine Grundlage zum eigenen Weiterforschen  bilden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim "Teetassen-kreisen"
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim "Teetassen-kreisen"
 
Voller Erwartung vor der Karate-Einheit
Voller Erwartung vor der Karate-Einheit
Bild und Text: Natalie Mandel