Der Karate-Sport, so wie er sich heute dem Betrachter und aktiven Sportler zeigt, erfuhr auf seinem Weg in unsere Gegenwart viele Wandlungen. So lässt sich die Frage, was denn nun Karate überhaupt sei, nicht in ein paar Worte fassen, ohne dabei auch die Geschichte dieses Sportes aufzugreifen.
Karate in seinem Ursprung gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich mit seinem Körper im Einzelnen und mit den Gliedmaßen im Besonderen gegenüber Angriffen zur Wehr setzen zu können.
Nicht jede ausgeteilte Ohrfeige ist aber gleich eine Karate-Technik. Was unterscheidet also Karate von anderen Arten der Selbstverteidigung?
Karate wurde in jahrhundertelanger, fernöstlicher Tradition zunächst als Form der waffenlosen Selbstverteidigung entwickelt. Der Gegner soll dabei durch den Einsatz von Abwehr- und Angriffstechniken kampfunfähig gemacht werden. Stoß-, Schlag- und Trittbewegungen werden hierzu in schneller Folge gegen empfindliche und ungeschützte Körperstellen des Gegners geführt.
Voraussetzung zur Erlangen dieser Fertigkeiten ist aber ein hohes Maß an Körperbeherrschung, die sich der Karateka in jahrelangem Training erarbeiten muss. Deshalb lässt sich das Karate auch als "Kampfkunst" bezeichnen.
Die alten japanischen Karate-Meister legten aber auch einen großen Wert auf die erzieherischen Aspekte dieser Kampfkunst.

"Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder der Sieg noch die Niederlage - der wahre Karate-Kämpfer erstrebt die Vervollkommnung seines Charakters”.

Im alten China, während der Liang Dynastie (502-556) brachte ein indischer Mönch namens Bodhidharma (jap. Daruma) den Dhyana-Buddhismus von Indien nach China. Er wurde zum ersten Patriarchen der neuen Form des Buddhismus, die in China als "Chán", in Japan als "Zen" bekannt geworden ist. Sein Unterricht fand im Tempel "Shaolin Szu" (jap. Shorinje) in der nord-chinesischen Provinz Honan statt und begrenzte sich dabei nicht nur auf die Lehre des Zen.
Als Mittel zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei Meditationsübungen, aber auch als Nahkampftechniken zur Verteidigung gegen Wegelagerer und Räuberhorden, diente die von ihm eingeführte "Körperschule".
Die Mönche des Shaolin-Klosters durchliefen hierzu eine harte Schule und mussten am Ende ihrer Ausbildung eine schwere Prüfung bestehen.
Die Absolventen galten dann auch als Meister der Kunst der Selbstverteidigung. Sie trugen u.a. dazu bei, dass sich diese Faustkampftechnik im ganzen Land und darüber hinaus in Südost-Asien bis nach Okinawa verbreitete.
Heute zu Japan gehörend, beeinflusste Okinawa damals China und Japan. Dort vermischte sich die Shaolin-Kampfkunst mit den bereits vorhandenen Kampfkünsten zum "Okinawa-te" (Okinawa-Hand).
Der Wert dieser Kampfkunst wurde auf Okinawa erst um 1900 für die Erziehung erkannt und an den Mittelschulen eingeführt.
Damals wählte man zum ersten Mal den Namen "Kara-te" anstelle von "Okinawa-te "
Das erste Schriftzeichen "Kara" bedeutet übersetzt: China, das zweite “te” steht für Hand, Hände. Übersetzt also: China-Hand

Das heutige sogenannte Moderne Karate, so wie es seit Anfang dieses Jahrhunderts gelehrt wird, ist vorwiegend auf das Wirken von Gichin Funakoshi (1868-1957) zurückzuführen. Funakoshi war Experte jener Kampfkunst und Professor der pädagogischen Hochschule in Okinawa, als er 1917, anlässlich des Besuches des Kronprinzen in Naha, diese Kunst der Selbstverteidigung einem größeren Publikum vorführte und das mit Erfolg. Denn 1922 lud ihn aufgrund der allgemeinen Besinnung auf die alten Kriegskünste Japans das Erziehungsministerium zu einer Vorführung nach Tokio ein. Beide Demonstrationen fanden ein großes, öffentliches Interesse. Und so wurde in der nachfolgenden Zeit Gichin Funakoshi dazu überredet, weiter in Japan diese Kunst der Selbstverteidigung zu lehren.
Es folgte 1936 die Gründung seiner eigenen Schule in Tokio, das Shotokan-Dojo (die erste Karate- Übungsstätte in Japan). Der Name Shotokan entstand dabei aus dem Künstlernamen Funakoshis- "Shoto", und lautet übersetzt:
 

"Das Rauschen des Kiefernwipfels"

1939 wurde dann der Name Shotokan ebenfalls für Funakoshis Karate-Stil gewählt.
Auch dass sich die japanische Schreibweise für Kara-te geändert hat, ist auf Funakoshi zurückzuführen.
In Besinnung auf die japanische Tradition und dem seinerzeit allgemein wachsenden Nationalbewusstsein setzte er anstelle von "China" das Zeichen "Leer" ein . Da dieses ebenfalls "Kara" ausgesprochen wird, blieb somit der ursprüngliche Laut "Kara-te" erhalten, aber nun mit der Übersetzung: "Leere Hand".
Gichin Funakoshi gilt heute somit aufgrund seiner Aktivitäten und der Maßstäbe, die er gesetzt hat als "Vater" des modernen Karate.
Durch seine Erfolge und dem allgemein wachsenden Interesse nach diesem traditionellen Sport, kamen nun weitere Karate-Experten aus Okinawa nach Japan und gründeten dort eigene Schulen und Stilrichtungen.
So haben sich bis heute neben dem traditionellen Shotokan-Karate mehrere Hauptstilrichtungen erhalten, wovon die bekanntesten sind:

Wado - Ryu
Shito - Ryu
Goyo – Ryu

Durch die " Zen-buddhistische Philosophie” war für den Meister das Karate jedoch nicht nur eine Kampfkunst, sondern gleichzeitig auch ein Weg "Do", den Charakter zu formen. Gichin Funakoshi schrieb:

"So wie die blanke Oberfläche eines Spiegels
alles widergibt , was vor ihm steht,
und wie ein stilles Tal
selbst den schwächsten Laut weiterträgt,
soll der Karateschüler sein Inneres leermachen
von Selbstsucht und Boshaftigkeit,
um in allem was ihm begegnen könnte
angemessen zu handeln .
Das ist mit Kara oder leer im Karate gemeint."

Die Schule des Karate-Sports sowie dessen erzieherischer Wert und Philosophie nahmen die Japaner als selbstverständlich es Mittel zur Charakter-und Geistesbildung war.
Es war jedoch bis zum Anfang dieses Jahrhunderts keine Organisation, in der einheitliche Grundregeln und Verfahrensweisen, wie z.B. bei Prüfungen, Turnieren etc., festgeschrieben und überwacht wurden.
Diese blieb bis dahin alleine den zahlreichen Karate-Meistern mit ihren individuellen Auffassungen über Art, Umfang und Inhalt des Karate vorbehalten.
Um nun dem Karatesport in der modernen Zeit einen einheitlichen Rahmen zu geben, wurde 1955 die "Japan Karate Association" von Masatoshi Nakayama (1913- 1987) gegründet. Nakayama begann 1932 mit dem Karate-Studium unter Gichin Funakoshi in Tokio und studierte vor dem zweiten Weltkrieg in Peking Sinologie und chinesische Kampfkünste.
Im Honbu -Dojo (Haupt-Dojo) in Tokio wurden, unter seiner Leitung, die besten japanischen Karateka zusammengezogen und ausgebildet.
Die Spitzentrainer dieses Dojos besuchten zudem seit Ende der 50er Jahre die Vereinigten Staaten, um dort Lehrgänge abzuhalten. Es folgte von 1964 an die systematische Beschulung Europas, Amerikas und Südafrikas. Nakayama zählt somit ebenfalls zu den "wichtigsten Persönlichkeiten" des modernen Karate. Der Professor für Leibesübung an der Tokushoku-Universität, Masatoshi Nakayama, verstarb 1987 im Alter von 74 Jahren.
Ein Aspekt des modernen Karate-Sports jüngerer Zeit ist nun angesprochen - der Wettkampf:

2.   Beherrschen der Kata (Abfolge der Techniken)

<span style="font-family:" lucida="" sans="" unicode","sans-serif";lucida="" unicode";"="">3.   Schulung der geistigen Haltung

Der Karateka konnte folglich kaum seine Kräfte und Fähigkeiten im direkten Vergleich anwenden, es sei denn, dies ging auf Kosten der Gesundheit. 
Auch trugen die Karate- Schüler lediglich weiße Gürtel und die Karate - Meister den "Schwarzen Gürtel".
Ausschließlich die geistigen und körperlichen Fähigkeiten sollten auf das Stadium, in dem sich der Schüler jeweils befand, einen Hinweis geben. Diese über Jahrhunderte gewachsene Philosophie des inneren Weges bot also keine Grundlage für den Wettkampf. Erst der Wunsch japanischer Meister, das Karate allgemein attraktiver zu gestalten, konnte an dieser Tradition etwas ändern.
Mitte der 50er Jahre wurde in Japan ein System von Wettkampfregeln und Gürtelfarben entwickelt, um dem Karateka dadurch die Möglichkeit zu geben, unbeschadet seine Kräfte im sportlichen Zweikampf zu messen.
Zwei Wettkampfformen mit strengen Reglementierungen wurden damals geschaffen:

 

1. Das Jiyu-Kumite (freier Kampf)

Wie bereits einleitend beschrieben, besteht die Schwierigkeit für den Karateka darin, empfindliche und ungedeckte Körperteile des Gegners blitzschnell und mit dem Einsatz größtmöglicher Körperspannung (Kime)so anzugreifen, dass dieser dem Angriff nicht mehr durch Ausweichen oder Abwehren begegnen kann.
Um nun das Verletzungsrisiko im Wettkampf weitgehend auszuschalten, trainiert der Kämpfer seine Schläge, Stöße und Tritte unmittelbar vor dem Ziel abzustoppen. Dieses Training erfordert viel Selbstdisziplin, Ehrgeiz und Willensstärke.
Die Kämpfe, die auf einer quadratischen Wettkampffläche von 8 x 8 m bzw.10 x 10 m stattfinden, werden zudem von geschulten und erfahrenen Kampfrichtern geleitet und kontrolliert.
Somit ist theoretisch - und weitgehend auch praktisch - der sichere Ablauf des Wettkampfes gewährleistet.

 

2. Die Kata (Formlaufen)

Eine Kata ist eine traditionelle Zusammenstellung von Karate-Techniken (bis zu 60 Techniken und mehr). Diese müssen gegen mehrere und aus verschiedenen Richtungen kommende imaginäre Gegner ausgeführt werden. Bewertet werden von den Kampfrichtern die exakte Ausführung der Karate-Techniken, die richtige Reihenfolge, exakte Bewegungsrichtung, Geschwindigkeit, Dynamik, sowie der korrekte Rhythmuswechsel und die Ausstrahlungskraft der Vorführung des Karatekas.
Bei der "Mannschafts-Kata" (3 bis 5 Teilnehmer) kommt die Synchronität der einzelnen Bewegungsabläufe als wichtiges Kriterium hinzu.
Durch die Erschaffung dieser Grundstrukturen des Wettkampfes konnten dann bereits 1957 in Tokio die alljapanischen Karate-Meisterschaften stattfinden.
Und auch der Westen begann, sich nun für diese exotische Sportart zu interessieren.
So führte im Frühjahr 1957 Jürgen Seydel das Karate in Deutschland ein.
Anfänglich organisierte sich der Karate-Sport in zwei Verbänden:
Zum einen wurde 1959 der Deutsche Karate-Bund (DKB) mit Sitz in Lübeck gegründet und zum anderen konnte die Sektion Karate 1965 als Selbstständige Sportart im Deutschen Judo-Bund aufgenommen werden. Mit diesem Grundstock an Organisation konnten nun ebenfalls Turniere und Meisterschaften auf nationaler Ebene in Angriff genommen werden. So wurde schon im April 1966 die erste offizielle Deutsche Meisterschaft durchgeführt.
Über viele Jahre hinweg gab es aber leider keine Übereinkunft der verschiedenen Verbände, einen Dachverband zu gründen. Erst am 17. Juni 1976 war es endlich so weit: der Deutsche Karate-Verband (DKV) entstand. An dessen Geburt waren folgende Organisationen beteiligt:

- Sektion Karate, Deutscher Judo-Bund 
- Deutscher Karate-Bund
- Deutsche Karate-Union
- Wado-Kai-Deutschland 
- Deutsch-Japanischer Karate-Verband
- Goju-Kai-Deutschland

Bereits ein Jahr später, am 11.Juni 1977 wurde diese Gründung eines Karate-Dachverbandes belohnt mit der Aufnahme in den Deutschen Sportbund (DSB) und Karate galt somit als allgemein anerkannte Sportart.

Oss. P/K